Konzept zur Umsetzung der Saph in jahrgangsbezogenen Klassen (JabK) ab Schuljahr 2013/14


(Entwurf)

1. Einleitung

Kinder lernen von Beginn ihres Lebens an. Eine Verstärkung des Lernens tritt ein, wenn frühzeitig und nachhaltig ihr natürliches Lernen aufgegriffen und unterstützt wird. Zielsetzung der Schulanfangsphase ist es, alle schulpflichtigen Kinder eines Jahrgangs in die Grundschule aufzunehmen und sie dem Grad ihrer Fähigkeiten entsprechend zu fördern.

Das vorliegende Konzept ist das Ergebnis der Gremien der Schule, die sich intensiv mit der Schulanfangsphase auseinandergesetzt haben und zur Entscheidung gekommen sind, jahrgangsbezogene Klassen einzurichten.

2. Begründung der abweichenden Organisation

2.1 Standortspezifische Gründe

Unsere Schule liegt in einem Neubaugebiet auf dem ehemaligen Flughafen Gatow. Viele Familien ziehen von auswärts hierher und kennen das jahrgangsübergreifende Lernen (JÜL) nicht. Sie lehnen es ab und fragen nach anderen Schulen, die abweichende Lernformen anbieten.Wir sind bei der Dichte der Grundschulen in dem Bezirk auf Anmeldungen von Schülern auch außerhalb unseres Einzugsgebietes angewiesen.

2.2 Pädagogisch-fachliche Gründe

Wir haben das Konzept des JÜL seit fünf Jahren erprobt und sind zu der Überzeugung gelangt, dass die Kinder, wenn sie wegen des vorgezogenen Ein-schulungsalters vermehrt mit fünf Jahren in die Schule kommen mit der geforderten Selbstständigkeit überfordert sind. Die Entwicklungsschere der Anfangsklassen ist sehr groß geworden. Das selbstbestimmte Lernen bei den Jüngsten zu beginnen, überzeugt uns pädagogisch nicht.

Durch den Wegfall der Vorschule ist bei vielen Kindern noch eine fehlende Entwicklung bei basalen Fähigkeiten zu beobachten, die vermehrt in der SaPh aufgefangen werden muss. Durch die Verdoppelung des Lerninhalts innerhalb einer Stunde, fehlt die Ruhe und die Zeit, die Inhalte mit den Kindern fachlich zu durchdringen und einzuführen. Die Kinder müssen viel schneller selbstständig an den Themen arbeiten und viele sind damit überfordert.

Die jährliche Auflösung der Klassengemeinschaft schafft eine soziale und emotionale „Unruhe“, die der Schaffung von stabilen sozialen Bindungen zuwiderläuft. Die Kinder brauchen konstante emotionale Beziehungen zu Bezugspersonen, die durch JÜL nicht gewährleistet werden.  Die Schule muss heutzutage vieles leisten bzw. bereitstellen, was in vielen Elternhäusern nicht mehr vorzufinden ist. Es braucht Zeit und Kontinuität sich kennenzulernen und soziale Beziehungen aufzubauen.

3. Organisation der jahrgangsbezogenen Lerngruppen

3.1 Organisatorischer Rahmen

Wir werden wieder drei Lerngruppen bzw. Klassen in der Jahrgangsstufe 1 haben und drei Klassen in der Jahrgangsstufe 2. In jeder dieser Klassen werden 23-26 Schülerinnen und Schüler unterrichtet (siehe Grundschulverordnung vom 4.4.2012, §4 Absatz 8). Jede Klasse hat eine eigene Klassenlehrerin, die den größten Anteil der Unterrichtsstunden unterrichtet und eine dazu geordnete Erzieherin bzw. einen Erzieher.

Hinzu kommen je nach Situation noch zusätzliche Lehrerinnen, die einzelne Fächer wie z.B. Sport und Kunst unterrichten. Jede Klasse hat einen eigenen Klassenraum. Alle sechs Klassen der Saph sind in räumlicher Nähe auf einem Gang und nutzen die vorhandenen zwei Gruppenräume in Absprache miteinander.

3.2 Partnerklassen und Patenschaften

Jede 2. Klasse fungiert als Partnerklasse einer 1 Klasse. Bereits bei der Einschulungsfeier werden die Kinder der 2.Klasse eine Aufführung oder einen Liedvortrag für ihre zukünftige Partnerklasse vorführen.

Zusätzlich werden sie als Paten für die neuen Erstklässler eingeteilt. Sie helfen in den ersten Wochen bei der Eingewöhnung und dem Zurechtfinden in der neuen Schule. Sie helfen in den Pausen oder beim Besuch des Sportunterrichts in der Turnhalle und werden  als Ansprechpartner da sein. Die Partnerschaft zwischen der 2. und einer 1.Klasse wird im Verlauf des Schuljahres durch gemeinsame Projekte, Ausflüge und Unternehmungen gepflegt und gefestigt.

Die Klassenlehrerinnen der jeweiligen Klassen werden diese Partnerschaften gemeinsam planen und gestalten.

3.3 Jahrgangsbezogener Unterricht

Die Fachbereiche Deutsch und Mathematik werden in den festen Jahrgangsgruppen d.h. für die 1.Klassen getrennt von den 2.Klassen in ihren jeweiligen Verbänden von den jeweiligen Klassen- und Fachlehrerinnen unterrichtet. Für Kinder mit besonderen Begabungen oder besonderem Förderbedarf wird innerhalb der jahrgangsbezogenen Gruppen entsprechend differenziert.

3.4 Jahrgangsübergreifende Projekte

Die Fachbereiche Sachkunde, Kunst und Musik werden teilweise in gemeinsamen Projekten mit den jeweiligen Partnerklassen unterrichtet. Je nach Möglichkeit und Gemeinsamkeiten der zu behandelnden Themen bietet es sich an, dass die beiden unterschiedlichen Jahrgangsstufen zusammen an einem Thema arbeiten, z.B. in Form einer Lernwerkstatt oder an verschiedenen Stationen.

Folgende Projekte sind geplant:

Schulbeginn imAugust/ September: Erkunden des Schulgebäudes/ Hof und Ausflug zum Spielplatz am Hans-Carossa-Gymnasium

November:  Blätter sammeln/ Theaterbesuch/ Gespenster

Dezember: Weihnachtsfeier an der Schule

Januar/ Februar: Kleiner Rodel-/ Schneeausflug / Fasching

März/ April:  Vorlesewettbewerb/ Frühling/ Ostern

Mai/ Juni: Bundesjugendspiele/ Sporttag an der Schule / Tiere/Wiese

3.5 Jahrgangsübergreifender Sportunterricht

Der Sportunterricht soll, soweit es organisatorisch möglich ist, hauptsächlich in jahrgangsübergreifenden Gruppen stattfinden. Die beiden Partnerklassen haben zur gleichen Zeit Sportunterricht, so dass die jahrgangsbezogenen Lerngruppen aufgelöst werden und in jahrgangsübergreifende Lerngruppen eingeteilt werden können.

Die Paten haben dann die Möglichkeit mit ihren Patenkindern zusammen zu spielen und sich im gemeinsamen Tun besser kennen zu lernen. Besonders im Sportunterricht führt das unterschiedliche Alter der Kinder nicht zu besonderen Problemen beim Unterrichten.

4. Umsetzung der Kernelemente der Saph

4.1  Verweilen in der Saph

Das Verweilen in der Saph ist erst nach zwei Jahren (laut derzeitiger Grundschulverordnung) möglich.

Durch frühzeitige Elterngespräche und natürlich auch bei Elternwunsch ist es möglich, dass Schüler ein drittes Jahr in der Saph verweilen. können, allerdings erst nach Abschluss des zweiten Jahres. Dies sichert den Kindern zusätzliche Zeit zum Reifen, Lernen und zur speziellen Förderung zu. Inhaltliche Defizite können so in Ruhe aufgearbeitet werden.

Die Kinder bekommen auch im jahrgangsbezogenen Unterricht binnendifferenzierte Materialien entsprechend ihrem Leistungsstand. Diese können z.B. im Umfang oder im Schwierigkeitsgrad reduziert sein, wenn es erforderlich ist, auch inhaltlich verschieden. Die Schüler können außerdem im Förderunterricht oder in speziellen TL-Gruppen (zur Wahrnehmung, zur Konzentrationsfähigkeit, zur grob- bzw. feinmotorischen Entwicklung usw.) gefördert werden.

4.2 Vorzeitiges Aufrücken in der Saph

Schüler, die aufgrund ihres Leistungsstandes die Saph schneller durchlaufen, erhalten innerhalb ihrer Klasse (also entweder im 1.Halbjahr oder im 2.Halbjahr der 1.Klasse) Materialien der darüberliegenden Klassenstufe. Diese entsprechen den Themen des Rahmenplans für die 2.Klasse und können von den Schülern entweder parallel im Unterricht bearbeitet oder auch in besonderen Förderstunden mit einer Lehrkraft erarbeitet werden.

Durch gemeinsame Projekte mit der Partnerklasse, sind die Kinder der nächsten Klassenstufe bereits bekannt. Stundenweise kann mit Absprache auch der Unterricht in der Partnerklasse mitbesucht werden.Durch Kooperation der Saph-Kollegen mit den Kollegen der 3.Klassen bei gemeinsamen Konferenzen werden außerdem gemeinsame Regeln und Standards verabredet.

4.3 Förderung von Kindern mit zusätzlichem Förderbedarf bzw. mit sonderpädagogischem Förderbedarf

Kinder, die bereits bei der Schulanmeldung einen diagnostizierten Förderbedarf haben, werden entsprechend ihres Förderschwerpunktes entweder im Klassenverband oder individuell durch eine Lehrkraft gefördert, da der Klasse dadurch zusätzliche Förderstunden bewilligt werden können.

Kinder, bei denen der Förderbedarf erst nach dem Test der Lernausgangslage und in den ersten Wochen festgestellt wird, werden je nach Bedarf entsprechend im Unterricht mit gezielten Unterrichtsmaterial gefördert oder zur Feststellung von sonderpädagogischem Förderbedarf der der Schule zugeordneten Sonderpädagogin vorgestellt. Diese testet die Kinder und stellt evtl. einen Antrag auf Feststellung von sonderpädagogischem Förderbedarf. Dies geschieht alles in Absprache und mit Zustimmung der Eltern.

Außerdem werden den Eltern Vorschläge zu außerschulischen Maßnahmen (z.B. Logopädie, Ergotherapie u.s.w.) unterbreitet. Die Schüler erhalten dann entsprechend ihrem Lernstand differenzierte Lernmaterialien.

4.4 Förderung von Kindern mit besonderen Begabungen

Werden von den Eltern bereits bei Schuleintritt besondere Begabungen ihrer Kinder angegeben, werden diese bereits mit in die Unterrichtsplanung einbezogen.

Stellen sich erst im Laufe der Zeit besondere Begabungen heraus, werden die Eltern durch Gespräche mit der Lehrkraft darauf hingewiesen und von dem Angebot der Senatsverwaltung zur „Förderung von hochbegabten Kindern“ an Spandauer Schulen in Kenntnis gesetzt. Eine „Bestätigung“ durch Tests kann vermittelt werden.Im Anfangsunterricht können Kinder, die bereits lesen können, zusätzliche Leseangebote und Fragen zum Textverständnis erhalten. Sie können außerdem die schuleigene Bibliothek nutzen. Regelmäßige Büchereibesuche, der Vorlesewettbewerb und das Computerprogramm „Antolin“ unterstützen die Leseförderung an unserer Schule.Kinder mit besonderen mathematisch-naturwissenschaftlichen Begabungen erhalten bereits frühzeitig Knobel- und Denkaufgaben. Sie können auch (wenn es der Stundenplan zulässt) in diesen Stunden am Unterricht einer höheren Klassenstufe teilnehmen.

Die Möglichkeiten  an speziellen Lernprogrammen im PC-Raum oder mit den mobilen 6I-books im Klassenraum zu arbeiten, steht den Schülern natürlich ebenfalls offen.Besondere Begabungen im musisch-ästhetischen Bereich können in der Arbeitsgemeinschaft Chor, Tanz und Töpfern sowie in der Streicherklasse u. a. gefördert und ausgelebt werden.

4.5 Förderung der individuellen Lernentwicklung

Alle Schüler nehmen zu Schulbeginn an einem Lernausgangslage-Test teil. Dadurch werden die vorhandenen Wissensstände erhoben. Die Unterrichtsplanung kann sich darauf im Folgenden beziehen.Die Schüler werden sowohl im Kernbereich Deutsch als auch im Kernbereich Mathematik fortlaufend beobachtet und die Lernentwicklungsstände werden in Lernstandskontrollen gemessen (Deutsch z.B. Lesen in Förderstunden mit einer Lehrkraft, Freies Schreiben, kleine Wortdiktate, Floh-Lesefitnesstest, Mathematik: Lernstandskontrollen fortlaufend zum Unterrichtswerk Flex und Flo). Dazu kommen in Deutsch noch der DRT und die Hamburger Schreibprobe zu den entsprechenden Zeiten im Schuljahr.

Bei Verdacht auf Lese-Rechtschreibschwäche testet eine eigens dazu ausgebildete Kollegin die Kinder bei uns in der Schule. Spezielle Lernwerke zur LRSFörderung gibt es bereits an der Schule. Bei Rechenproblemen werden die Kinder ebenfalls von einer dafür ausgebildeten Kollegin bei uns an der Schule individuell im 2.Halbjahr der 2.Klasse getestet und dann evtl. entsprechendem Förderunterricht zugeteilt.

Durch den vermehrten Einsatz von Erziehern in den 1. und 2.Klassen, ist eine genaue Beobachtung und Veränderung des Leistungsstands der Kinder gewährleistet. In wöchentlichen Teamgesprächen werden die Probleme besprochen und analysiert. Die Kinder erhalten dann vermehrte Unterstützung im Unterricht und eventuell andere Lernmaterialien. Sie werden in Kleingruppen unterrichtet, damit die Lernprobleme mit zusätzlicher Förderung behoben werden können.

Die Schüler lernen sich selbst einzuschätzen, indem die Schüler seit der 1.Klasse lernen, die Lernergebnisse zu präsentieren („Präsentation“ ist auch unser Schwerpunkt im Schulprogramm), eine Rückmeldekultur (die positive Würdigung, Verbesserungsvorschläge machen usw. ) wird geübt und gelernt. Am Ende der Woche erfolgt ein Wochenrückblick, bei dem der Lernzuwachs den Kindern transparent gemacht wird.

Das positive Sozialverhalten soll an unserer Schule in Form einer halbjährlichen Ehrung in großem Rahmen gewürdigt werden und einen wichtigen Stellenwert im Schulleben erhalten.

5. Rhythmisierung

Das Thema Rhythmisierung wird im nächsten Schuljahr in den verschiedenen Gremien diskutiert und entsprechend festgelegt werden.

6. Kooperationen

6.1 Kooperation der Lehrkräfte

Die Kooperation der Lehrkräfte der jeweiligen Partnerklassen soll dadurch verstärkt werden, dass die Lehrkraft der 2.Klasse als Lehrerin für die Teilungsstunden in der 1.Klasse ihrer Partnerklasse eingesetzt wird und umgekehrt. Dadurch wird die Lehrerin auch den Kindern der Partnerklasse bekannt und vertraut.

Die Lehrkräfte der beiden Partnerklassen haben eine im Stundenplan eingetragene Besprechungsstunde d.h. sie haben an einem Tag in der Woche zur gleichen Stunde eine Freistunde oder Schulschluss, so dass sie sich für die Planung von gemeinsamen Projekten und Unternehmungen zusammensetzen können.

Gemeinsame Absprachen für die Schulanfangsphase werden in den sechs Fachkonferenzen mit allen darin unterrichtenden Kollegen getroffen.

6.2 Kooperation  der Lehrkräfte und Erzieher

Die Lehrer und Erzieher, die in einer Klasse tätig sind, treffen sich regelmäßig einmal pro Woche zu einer Besprechung, um das gemeinsame Vorgehen anzusprechen. Mindestens einmal im Monat treffen sich die Lehrkräfte und Erzieher der zwei Partnerklassen zu einer gemeinsamen Besprechung, um die geplanten Projekte zu besprechen, Dadurch dass die Erzieher die Schüler im Hort betreuen, können sie die Kinder in anderen Situationen erleben und diese Einschätzung bei den Teamgesprächen mitbringen.

Außerdem sind die Horterzieher auch ein wichtiges Bindeglied zwischen der Schule und dem Elternhaus, da sie morgens mit im Unterricht sind und nachmittags den Eltern oft persönlich bei Fragen helfen können.

6.3 Kooperation der Schule mit den Kitas

Durch die Teilnahme am „TransKiGs“-Projekt wird die Verbindung zur Kita Landstadt Gatow sowie zu weiteren umliegenden Einrichtungen gestärkt und der Schuleintritt für die Kinder schonend vorbereitet. Durch die Zusammenarbeit mit den Erziehern, die wiederum den Kontakt zu den Kitas halten, besteht bereits eine stabile Verbindung zwischen den beiden Institutionen.

Ein Besuch in der Saph von den Kitakindern wird genauso gemeinsam geplant und durchgeführt wie gegenseitige Besuche bei Festen.

6.4 Kooperation der Lehrkräfte der Saph mit den 3.Klassen-Kollegen

Mit den Kollegen der 3.Klassen werden  gemeinsam Regeln und Rituale vereinbart und eingeübt, so dass die Kinder in jeder Klassenstufe die Regeln kennen und sich daran orientieren können (z.B. Morgenkreis, Melderegeln, Zuhörregeln, Garderobe, Anstellen in einer Reihe, Verkehrsverhalten mit der Klasse u.a.).

Die Mindestanforderungen an die Schüler der 2.Klassen vor dem Übergang in die 3.Klasse werden ebenfalls gemeinsam anhand des Rahmenplans und der Lernstandsmessungen besprochen.

Ein Mitglied der Saph nimmt regelmäßig an den anderen Fachkonferenzen (z.B. Deutsch, Mathematik, Sachkunde, Musik, Kunst, Sport) teil und berichtet im Team darüber. Einmal im Halbjahr findet eine Fachkonferenz mit Kollegen der 3.Klassen und den Saph-Kollegen statt.


Berlin, 8. Juni 2012